Gedanken zu Gott und Moral

 

Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.

(Fjiodor Dostojewskij, russischer Dichter)

Bedeutet das Diktum Dostojewskijs etwa, dass wir auf Gott nicht verzichten können, wenn es um Moral geht?

Auf keinen Fall: Der deutsche Philosoph Herbert Schnädelbach bezeichnete die Worte Dostojewskijs treffend als dümmsten philosophischen Spruch. Bei genaueren Betrachtung zeigt sich nämlich, dass Gott als Moralbegründung nicht nur unnötig, sondern sogar völlig unbrauchbar ist.

Sehen wir dazu etwas genauer hin.

Damit Gott zur Moralbegründung überhaupt herbeigezogen werden kann. muss doch erst mal sichergestellt sein, dass dieser Gott (und nicht jemand anders) tatsächlich auch moralische Normen erlassen hat, deren Inhalt uns auch entsprechend bekannt ist.

Damit stossen wir bereits auf die erste und bisher unüberwindbare Hürde:

Bis zum heutigen Tag konnte nämlich trotz jahrtausendelanger intensivster Bemühungen von unzähligen klugen Köpfen die Existenz diese Gottes nie auch nur annähernd vernünftig gerechtfertigt geschweige denn belegt werden. Wir sprechen hier also von einer sogenannt qualifizierten Abwesenheit von Existenzbeweisen, was durchaus ein Beleg für die Abwesenheit von Existenz ist und wir getrost davon ausgehen können, dass Gott nicht existiert.

Wie aber sollen denn Moralnormen auf einen nicht existenten Gott zurückgeführt werden können? Wie soll ein nicht existierender Gott die Einhaltung seiner moralischen Normen bewerkstelligen?

Eigentlich könnten wir hier auf weitere Erläuterungen verzichten, die Worte Dostojewkijs erweisen sich bereits als reine Schaumschlägerei.

Nehmen wir wider besseres Wissen an, dass Gott trotzdem existiert und tatsächlich moralische Normen erlassen hat, die wir natürlich auch unzweifelhaft als göttliche Moralvorgaben erkennen, so ergeben sich weitere Sichtweisen.

Um die göttlichen Moralvorstellungen nun auch als für uns verbindlich akzeptieren zu können, müssen wir überzeugt sein, dass ihr "Herausgeber", also Gott, überhaupt in der Lage ist, eine allumfassende Moralbegründung zu leisten. Konkret bedeutet das: Gott muss, wenn nicht vollkommen gut, so uns doch moralisch hoch überlegen sein.

Damit eröffnet sich gleich ein weiteres Problemfeld: Wie können wir das erkennen und beurteilen, wenn wir nicht bereits eine eigene konkrete Vorstellung davon haben, was moralisch gut oder schlecht ist?

Wir können schliesslich nicht Gottes Moralvorgaben an diesen seinen eigenen Moralvorgaben messen, ohne uns dadurch im Kreis zu drehen im Sinne von 'Was Gott sagt, ist gut, weil es Gott sagt'. Was gut und was schlecht ist, wäre völlig von Gottes Willkür abhängig.

Was für ein virtuelles Minenfeld wir damit schaffen würden, zeigt sich, wenn wir nur eine von Hunderten in der Bibel beschriebenen Ungeheuerlichkeiten, die Gott selbst begangen oder zu tun angewiesen hat, herausgreifen:

Samaria muss büssen, dass es sich aufgelehnt hat gegen seinen Gott. Sie sollen durchs Schwert fallen und ihre kleinen Kinder zerschmettert und ihre Schwangeren aufgeschlitzt werden. (Hosea 14,1)

Hierbei handelt es sich um eine Weisung von Gott an sein Volk. Es ist jedoch unverkennbar: Die Tatsache, dass Gott etwas gebietet, macht derart bestialische Untaten keinesfalls nicht gut!

Allein die Vorstellung, dass all das, was wir als böse erachten, allein per (göttliches) Dekret gut zu sein hat und umgekehrt, muss für jeden denkenden Menschen eine blanke Horrorvorstellung sein. Letztendlich wird dadurch einer moralischen Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet.

Die Option "Was Gott tut oder sagt, ist gut" ist für uns daher nicht akzeptabel.

Soll Moral nicht willkürlich sein, muss sie unabhängig von Gott sein - und sie ist es auch. Gutsein wie Schlechtsein ist etwas, was Dingen und Handlungen ganz ohne Gott zu weiten Teilen eigen ist. Und genau darauf basiert auch unser menschliches Moralempfinden.

Gehen wir noch der Frage nach, ob Gott, wie weiter oben schon angesprochen, überhaupt eine allumfassende Moralbegründung zu leisten imstande ist.

Dazu müssen wir wiederum in der Bibel forschen, ist diese doch die verbindliche Grundlage des christlichen Glaubens. Und ausgerechnet die Bibel offenbart uns diesen Gott immer und immer wieder als ein schreckliches Unwesen, das nach eigenem Gutdünken beliebig oft bestialisch mordet, ja sogar in der Sintflut nahezu jegliches Leben auf dieser Erde ersäuft.

Die Bibel zeigt uns weiter einen Gott, der nicht nur selbst bestialisch wütet und vernichtet, sondern auch grausamst morden und fremde Völker abschlachten lässt und dabei, wie oben gezeigt, nicht einmal davor zurückschreckt, Kinder und Ungeborene auf unbeschreiblich brutale Weise umbringen zu lassen. Kaum jemandem bekannt sein dürfte auch, dass dieser Gott sogar Eltern anwies, ihre eigenen Kinder zu verspeisen (5. Mose 28).

Wir müssen auch hier wiederum klar festhalten: Diese sich immer wieder selbst verherrlichende und verherrlichen lassende, egozentrische, rachsüchtige, blutrünstige, ja teuflisch grausame Bestie namens Gott ist in keiner Art und Weise dazu befähigt und legitimiert, für uns moralische Richtlinien festzulegen. Die knöcheltiefe Blutspur, die ausgerechnet das Christentum durch die Geschichte der letzten 2000 Jahre gezogen hat, ist ein beredtes Zeugnis für die Unbrauchbarkeit göttlicher Moralvorgaben.

Wir können uns vielmehr glücklich schätzen, dass dieser Gott nichts weiter ist als ein schreckliches Phantasiewesen, das vor Jahrtausenden in den Köpfen einiger höchstwahrscheinlich geistig schwer gestörter und verirrter Propheten und Schreiberlinge entstanden ist.

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Diese Seite wurde letzmals am 20. Mai 2017  aktualisiert.